19.08.2026 - Die Rheinpfalz

Erstmal nur ein Provisorium

Am Bahnhaltepunkt „Dellfeld Ort“ wird der Bahnsteig erhöht. Warum das mit vielen Jahren Verspätung geschieht und warum davon nur Reisende in eine der Fahrtrichtungen profitieren.
Von Paul Helmut Kreiner

Dellfeld. Der Bahnsteig am Haltepunkt „Dellfeld Ort“ bekommt eine Erhöhung − wenngleich diese vorerst nur provisorisch ausfällt. Grund ist die Umstellung auf batteriehybride Züge, die ab Oktober auf der Strecke fahren sollen und deren Einstiegshöhe 55 Zentimeter beträgt. „Um die Einstiegssituation für Reisende bereits kurzfristig zu verbessern, wird nun zunächst eine provisorische Bahnsteigerhöhung umgesetzt. Der langfristige und umfassende Ausbau der Station ist weiterhin vorgesehen“, schreibt eine Bahnsprecherin auf Anfrage.

Für die provisorische Bahnsteigerhöhung wird glasfaserverstärkter Kunststoff verwendet. Das Provisorium soll so lange vor Ort bleiben, bis der Bahnsteig in den kommenden Jahren umgebaut wird. „Nach aktuellem Stand ist dieser Ausbau für etwa 2030 vorgesehen“, heißt es von der Bahn. Der vollständige Umbau der Station sei Bestandteil einer langfristigen Ausbauplanung bei der Bahn.

Vor 17 Jahren wurde schon mal darüber gesprochen

Der Plan, den Bahnsteig in Dellfeld zu erhöhen, ist nicht neu. Im Jahr 2009 äußerte eine Dellfelderin Kritik am Bahnsteig, weil dieser nicht ebenerdig zu den dort haltenden Zügen war. Der Zweckverband öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz − damals hieß er noch Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd − stellte damals einen Umbau des Bahnsteigs bis Ende 2014 in Aussicht. Wörtlich hieß es seinerzeit: „Bis Ende 2014 sollen alle Stationen im Verbandsgebiet auf Vordermann gebracht werden. Das ist unser magisches Datum. Da gibt es im Rheinland-Pfalz-Takt viele neue Linien und verbesserte Angebote. Die kommunale Gebietskörperschaft muss sich natürlich an den Maßnahmen beteiligen.“

Das von Zweckverband genannte „magische Datum“ ist mittlerweile zwölf Jahre verstrichen. Von der Bahn-Pressestelle heißt es heute, dass „der für die Maßnahme zugrundeliegende Soll-Zustand erst im Rahmen einer Regionalbereichssitzung im April 2025 konkretisiert“ worden sei. Auf Grundlage dessen habe nun die geplante Umsetzung − in diesem Fall zunächst die provisorische Erhöhung des Bahnsteigs − vorbereitet werden können. Mehr Antworten, warum zwischenzeitlich am Bahnsteig in Dellfeld nichts passiert ist, gibt es von der Bahn nicht. Allerdings stellt die Bahnsprecherin das nun kommende Provisorium als Zugeständnis für die Fahrgäste dar: „Mit der jetzt vorgesehenen provisorischen Bahnsteigerhöhung können Verbesserungen für die Reisenden deutlich früher umgesetzt werden und sind insbesondere im Hinblick auf die Einführung der neuen batteriehybriden Fahrzeuge erforderlich.“

Kaum Einschränkungen für Fahrgäste

Die provisorische Erhöhung des Dellfelder Bahnsteigs kostet laut Bahn-Pressestelle rund 3,3 Millionen Euro. Gearbeitet werde nach aktuellem Stand von 31. August bis 2. Oktober. Für Fahrgäste gibt es in dieser Zeit kaum Einschränkungen. Gearbeitet wird in der Nacht, sagt Dellfelds Ortsbürgermeister Marcus Spies. Der Bahnübergang bleibt während der gesamten Bauzeit durchfahrbar. Während der Bahnsteig 1 provisorisch erhöht wird, halten die Züge am Bahnsteig 2 − also auf der anderen Seite des Bahnübergangs; nicht aber auf der anderen Seite der Gleise.

Dass es in Dellfeld überhaupt zwei Bahngleise auf derselben Schienenseite, jedoch durchstoßen vom Bahnübergang gibt, liegt daran, dass an der einen Seite nur Züge in Richtung Zweibrücken, an der anderen Seite nur jene in Richtung Pirmasens halten. Hat ein Zug den Bahnübergang passiert, hält er danach an. Vorteil: Anders als zum Beispiel in Thaleischweiler gehen die Schranken sofort auf, wenn der Zug hält und ohnehin in die andere Richtung fährt. Erhöht wird nur der Bahnsteig, an dem die Züge in Richtung Pirmasens halten. Ob der andere Bahnsteig eine Erhöhung bekommt, kann die Bahn zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Es könnte auch sein, dass es irgendwann nur noch einen Bahnsteig geben wird.

Das sagt der Ortsbürgermeister

Marcus Spies zeigt sich erleichtert, dass nach vielen Jahren nun der Bahnsteig in Dellfeld erhöht wird. Er kenne Personen, die ebenerdig in den Zug einsteigen müssten, das jedoch am Bahnhaltepunkt Dellfeld nicht könnten. „Die fahren dann nach Falkenbusch, weil dort Zug und Bahnsteig auf einer Ebene sind“, sagt Spies. Seine Hoffnung ist nun, dass die Bahn ihr neues Versprechen, im Jahr 2030 die provisorische Erhöhung durch eine feste Erhöhung auszutauschen, auch einhält.