29.06.2026 - Die Rheinpfalz
„Das ist wie Russisch-Roulette“
Auf der Zugstrecke zwischen Zweibrücken und Saarbrücken häufen sich die Zugausfälle. Die Stimmung kippt. Das ist die Begründung der Bahn. Von Daniel Olejniczak
Wer oft pendelt, der kennt es. Verspätungen, Umleitungen, Zugausfälle. Den Zug zu nehmen ist umweltfreundlich, kann aber Nerven kosten. Davon kann Florian Meyer ein Lied singen. Der 26-Jährige arbeitet in der Saarbrücker Innenstadt und pendelt jeden Tag von Zweibrücken in die saarländische Landeshauptstadt. Dafür nimmt er den Zug. Für die weniger als 30 Kilometer lange Strecke benötigt dieser normalerweise 37 Minuten. Eigentlich. Seit Pfingsten aber komme es vermehrt zu Zugausfällen, wie Meyer berichtet. Das merke nicht nur er, sondern das falle auch anderen Pendlern auf, die davon immer mehr gefrustet sind.
Fahrgäste sind aufgebracht „Es ist wie Russisch Roulette“, sagt Florian Meyer. Ob der Zug fahre oder nicht, könne sich innerhalb weniger Minuten vor der eigentlich geplanten Abfahrt ändern, ärgert er sich. „Auf der Infotafel wird immer angezeigt, dass es angeblich eine technische Störung gibt.“ Das glaubt Meyer der Bahn aber nicht, die Züge seien schließlich auch normal hingefahren, findet er. Besonders ärgert ihn, dass er sich mittags nichts mehr vornehmen kann, weil man nie wisse, ob der Zug kommt – oder, ob er wieder ausfällt. Das Auto zu nehmen sei für Meyer zwar eine Alternative, aber schneller ist er damit auch nicht. „Durch die Baustellen rund um Saarbrücken ist das sogar langsamer.“ Ins Homeoffice zu wechseln, ist für ihn beruflich zudem keine Option. Bleibt nur der Zug. Doch nicht alle Zugreisenden bewahren bei den Verspätungen, Zugausfällen und der Hitze einen kühlen Kopf. Manchmal führe das sogar dazu, dass die Stimmung am Bahnsteig kippt, berichtet Meyer. Zugfahrer würden dann von anderen Zugreisenden angepöbelt und beleidigt. Auch wenn Erstere oft am wenigsten dafür können.
Besonders nervenstrapazierend war für Florian Meyer sein Arbeitsweg am 17. Juni. Als er sich auf den Heimweg in die Pfalz begab und vom Saarbrücker Hauptbahnhof in Richtung Zweibrücken fahren wollte, fiel seine geplante Verbindung um 16.08 Uhr aus. „Der anschließende Zug um 16.24 Uhr nach Zweibrücken fuhr nur bis Rohrbach, dort wurden die Fahrgäste informiert, dass der Zug hier endet, und mussten im Anschluss selbst schauen, wie sie weiterreisen konnten“, sagt er. Auch der Zug um 17.07 Uhr fiel aus. „Der wurde einem vom Fahrer als Alternative angeboten“, ärgert sich Meyer.
Auf Anfrage der RHEINPFALZ gab eine Sprecherin der Deutschen Bahn als Begründung an, dass es an diesem Tag eine Fahrzeugstörung auf der Strecke gegeben habe. Aber auch schon einen Tag zuvor hatte Meyer Probleme auf dem Arbeitsweg. „Es war genau das gleiche Chaos: Der Zug um 16.24 Uhr wurde gestrichen. Der Zug, der um 17.07 Uhr abfahren sollte, hatte zunächst 40 Minuten Verspätung und wurde dann auch gestrichen.“ Dieses Mal handelte es sich laut der Bahnsprecherin um eine Infrastrukturstörung: „Aufgrund des eingleisigen Streckenabschnittes sammelten sich Verspätungen an, welche wiederum zu Teilausfällen führten.“ Weiter teilte sie mit, dass es sich nicht um ein strukturelles Problem handle, sondern um verschiedene Störungsursachen. In der vergangenen Woche sei zwar wieder alles weitgehend stabil gelaufen, aber aufgrund der Hitze könne es immer wieder zu kleineren Einschränkungen kommen.
Für Florian Meyer und alle anderen Pendler auf der Strecke gilt es sich also auch weiterhin auf mögliche Verspätungen auf dem Arbeitsweg einzustellen und dabei einen kühlen Kopf zu bewahren – trotz der Hitze. sminister Patrick Schnieder. Die beiden CDU-Politiker kommen am 3. Juli zum Neustadter LGS-Gelände.snf