09.06.2026 - Die Rheinpfalz<

Wie das Sommermärchen den Bahnverkehr beflügelt hat

Vor 20 Jahren wurden in der Region viele Weichen dafür gestellt, wie Pfälzer heute mit dem Regionalzug von A nach B kommen
Von Werner Schreiner

Kaiserslautern/Mannheim. Vor 20 Jahren wurden viele Weichen für den Nahverkehr in der Pfalz gestellt. Von mehreren Entscheidung profitieren noch heute vor allem die Westpfälzer.

Nach jahrelangen Verhandlungen war es am 1. Juni 2006 soweit, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der Westpfalz-Verkehrsverbund (WVV) schlossen sich zusammen und vereinheitlichten fast alle Ticketregelungen für die Pfalz. Rechtzeitig für das deutsche Sommermärchen, die Fußball-WM.

Die Verkehrsverbünde waren das Ergebnis der Bahnreform und der Neuordnung der ÖPNV-Aufgaben, denn ab dann wurden die Kommunen besser integriert. Nachdem bereits 1989 der Verkehrsverbund-Rhein-Neckar als länderübergreifende Organisation geschaffen worden war und sich bewährt hatte, war Anfang des Jahres 2000 der Westpfalz-Verkehrsverbund (WVV) ins Leben gerufen worden. Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium hatte den VRN-Geschäftsführer Wolfgang Wagner für den Süden des Landes damit beauftragt, die Gründung von Verkehrsverbünden vorzubereiten. Es entstanden dann auch der Verkehrsverbund Trier (VRT) und der RNN (Rhein-Nahe Nahverkehrsverbund).

Parallel wurden auch die Pläne für die Anreise zu Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verfolgt, die ab dem 9. Juni auch in Kaiserslautern stattfinden sollten. Vier Gruppenspiele und ein Achtelfinalspiel waren für den Betzenberg angesetzt worden. Um an allen Spielorten für optimale Anreisemöglichkeiten zu sorgen, hatte der DFB Karl Geert Kuchenbecker aus dem Ruhestand geholt, den ehemaligen Leiter der Verkehrsabteilung im Wirtschaftsministerium.

Kuchenbecker regte dann auch an, zusammen mit dem WVV den Ausbau der S-Bahn Rhein-Neckar bis nach Homburg ins Auge zu fassen, um auf der Pfälzischen Ludwigsbahn für den Kreis Kaiserslautern durchgehende Verbindungen von Hochspeyer bis Bruchmühlbach zu schaffen und in Homburg die Anschlüsse von und nach Saarbrücken herzustellen.

Gemeinsam mit dem für den Zugverkehr zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd und dem Verbund wurde auch die Zellertalbahn in den Sonderverkehr nach Kaiserslautern einbezogen, die seit 2001 für den sommerlichen Ausflugsverkehr genutzt wurde. Bald soll die Zellertalbahn wieder gänzlich reaktiviert werden und damit auch der Donnersbergkreis besser ans Schienennetz angebunden sein.

Strecke bis nach Kaiserslautern

Doch einer der aus heutiger Sicht wichtigsten Punkte: die Schaffung der S-Bahn Rhein-Neckar mit einer durchgängigen Verbindung zwischen Mannheim und Kaiserslautern. Das Projekt war ursprünglich nur von Mannheim bis Neustadt vorgesehen. Bereits während der Umsetzung stimmten das Bundesverkehrsministerium, das Landesverkehrsministerium sowie die kommunalen Gebietskörperschaften und Verkehrsverbünde überein, die S-Bahn einschließlich ihres Tarifsystems von Neustadt bis nach Kaiserslautern zu verlängern. Auch der Ausbau zur S-Bahn zwischen Kaiserslautern und Homburg sollte bis zum WM-Start fertig sein. Dadurch sollte der Nahverkehr aus der Richtung des Saarlandes weiter gestärkt werden. Doch bautechnische Verzögerungen führten dazu, dass die Strecke erst im Dezember 2006 in Betrieb genommen werden konnte. Für die Südwestpfälzer und die Menschen aus der Saarpfalz war dieser Schritt dennoch eine wichtige Weichenstellung. Denn mit der geplanten Reaktivierung der Strecke Zweibrücken-Homburg im Jahr 2028 werden die Zweibrücker in Zukunft an die Linie der S-Bahn Rhein-Neckar angeschlossen.

Hinweis
Der Autor ist SPD-Stadtratsmitglied in Neustadt. Für die RHEINPFALZ schreibt er als Experte über den Bahnverkehr in der Pfalz.

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