07.07.2026 - Die Rheinpfalz

Pfälzer Hauptstrecke monatelang dicht

Die Deutsche Bahn saniert ihre Strecken. Die 130 Kilometer lange Trasse zwischen Ludwigshafen und Lothringen soll ab Mitte 2029 monatelang gesperrt werden. Gegen die „Monstersperrung“, wie Kritiker das Vorhaben nennen, gibt es Protest. Auch, weil schon 2028 rund um Neustadt Sperrungen anstehen. Ausgerechnet, wenn dort die Landesgartenschau stattfindet.
Von Kathrin Schnurrer

Kaiserslautern/Neustadt. Was eine Streckensperrung der Deutschen Bahn bedeutet, können Bahnfahrer derzeit an den Wochenenden erleben: Zwischen Kaiserslautern und Neustadt fahren Busse statt S-Bahnen. Bequemes Reisen geht anders. Richtig unbequem wird es im Jahr 2029 – dann will die Deutsche Bahn die etwa 130 Kilometer lange Strecke zwischen Ludwigshafen und Forbach (Moselle) fünfeinhalb Monate lang komplett sperren. Die Strecke zwischen der Pfälzer Großstadt und der lothringischen Kleinstadt südlich von Saarbrücken soll in einem Rutsch erneuert werden.

41 solcher Generalsanierungen, auch Korridorsanierungen genannt, stehen auf dem Zettel der Bahn-Tochter DB InfraGO, die sich um das Schienennetz in Deutschland kümmert. Gestartet wurde 2024 mit der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt am Main, diese Woche beginnen die Bauarbeiten für die Strecke am rechten Rhein, von Troisdorf (bei Köln) bis Wiesbaden. Berlin-Hamburg ist seit Kurzem abgeschlossen. Es sind allesamt Milliarden-Projekte.

Die Erneuerung der Strecke Ludwigshafen-Forbach befindet sich laut Bahn „noch in einer sehr frühen Planungsphase“. Fest stehe jedoch, dass die Arbeiten „im Hinblick auf Bauabläufe und Baustellenlogistik außerordentlich komplex“ sind, da ein Teil der Strecke im Pfälzerwald liege. Weichen, Oberleitungen, Schwellen, Stellwerke und Bahnhöfe sollen erneuert werden. In Kaiserslautern sollen die Bahnsteigkanten für die Strecken ins Lautertal oder nach Kusel auf ein barrierefreies Niveau angehoben und die Unterführung am Bahnhof Einsiedlerhof erneuert werden. Die Bahnsteige im Saarland werden hergerichtet, in Saarbrücken soll am Hauptbahnhof ein Kreuzungsbauwerk erneuert werden, das Einkaufszentrum „Saarbasar“ soll einen neuen Haltepunkt bekommen. Das Planungsunternehmen Bernard-Gruppe (München), das einen Teil der Arbeiten vorbereitet, berichtet auf seiner Internetseite von 400 Einzelmaßnahmen im Gesamtprojekt.

Angst vor dem Abgehängtsein

In der Pfalz ist man wenig begeistert von den Plänen der Deutschen Bahn – und reagiert mit Resolutionen: Eine Sperrung von Ende Juni bis Anfang Dezember 2029 sei viel zu lang, kritisieren die Mitglieder des Kreistags und des Stadtrats von Kaiserslautern. Die Westpfalz wäre monatelang abgehängt, für die Pendler eine Katastrophe. Die Kommunalpolitiker fordern, die Arbeiten in Abschnitte aufzuteilen und auf eine Komplettsperrung zu verzichten. Auch in Neustadt und bei der Landesgartenschau-Gesellschaft herrscht Unruhe – denn die Bauarbeiten der Bahn wirken sich auch auf die Landesgartenschau im Jahr 2028 aus. Zur Gartenschau mit dem Ersatzbus

Der Grund ist: Schon ein Jahr vor der Korridorsanierung sind „kleinere“ Sperrungen rund um Neustadt geplant – die allerdings, so fürchten die Gartenschau-Veranstalter, große Auswirkungen auf die von Mitte April bis Mitte Oktober geplante Schau haben werden: Ende April 2028 soll die Strecke Neustadt-Landau-Weißenburg für neun Tage dicht sein, zwischen Ende Juli und Mitte September fahren auf jener Strecke 53 Tage lang abends und nachts keine Züge mehr, und von 15. September bis 10. November soll die Strecke Ludwigshafen-Neustadt-Homburg komplett gesperrt werden, um die 2029 anstehende Großsanierung vorzubereiten. Heißt: Herbstflor-interessierte Gartenschau-Besucher aus der Pfalz, dem Saarland und Baden müssen zuvor eine Ersatzbus-Rundfahrt durch die Pfalz machen.

Land gegen Vollsperrung

Der für die Region zuständige Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV RLP Süd) hat zuletzt einstimmig eine Resolution gegen die monatelange Sperrung der Pfälzer Ost-West-Hauptstrecke beschlossen und gefordert, eine Sperrung während der Landesgartenschau zu vermeiden. Das Land, das über einen Stimmanteil von 40 Prozent am Zweckverband verfügt, trage diese Position mit, heißt es vom Innenministerium.

Der 25 kommunale Mitglieder zählende Zweckverband plant und bezahlt den Nah- und Regionalverkehr in der Region. Mitglieder sind neben dem Land alle acht kreisfreien Städte und alle acht Kreise in der Pfalz, die Landeshauptstadt Mainz sowie weitere Städte und Kreise in Rheinhessen und an der Nahe. Die Bahn teilt auf Nachfrage zu den Resolutionen mit, sie tausche sich mit den Zweckverbänden Rheinland-Pfalz Süd und Saarland und mit den betroffenen Städten an der Strecke aus. Während der Sperrung soll „ein hochwertiger Ersatzverkehr“ angeboten werden. Daran zweifelt der Zweckverband. Fritz Engbarth, stellvertretende Direktor des ZÖPNV RLP Süd, sagt: „Jene, die von einem attraktiven Ersatzverkehr sprechen, müssen sich fragen, ob sie sich täglich pro Richtung eine Stunde und mehr in Busse von Kaiserslautern nach Neustadt setzen würden.“ Für Pendler und Anwohner des engen Tals sei der monatelange Schienenersatzverkehr eine Zumutung.

Der Verband nennt es „Monstersperrung“

Der Verband spricht von einer „Monstersperrung“, er hält der DB InfraGO Vertrauensbruch vor und kündigt an, gegen die Komplettsperrungen Widerspruch einlegen zu wollen. Eine Sorge ist, dass die Bahnfahrer auf Dauer wegbleiben. Die Strecke zwischen Ludwigshafen und Homburg sei schon in den vergangenen Jahren immer wieder gesperrt worden. Engbarth sagt: „Wir fragen uns: Was hat die DB in diesen zehn bis 15 Jahren gemacht oder auch nicht gemacht, dass jetzt angeblich so viele Gewerke marode sein sollen? Wer garantiert uns und den Kunden das Versprechen der Baufreiheit? Die DB InfraGO bestimmt nicht.“ Baufreiheit heißt, dass auf einer sanierten Strecke in den nächsten fünf Jahren keine Baustellen zu erwarten sind.

Der Zweckverband hat der Deutschen Bahn Alternativen zur Komplettsperrung vorgeschlagen. Er will, dass der „Zugverkehr mit einem Grundangebot aufrecht erhalten“ wird – und tagsüber ein Gleis pro Richtung befahrbar ist. Der Zweckverband fordert für den Nahverkehr ein stündliches Angebot mit allen Halten in jede Richtung, weitere Vorschläge gibt es für den Fern- und Güterverkehr sowie für Regionalexpresse. Ob die Bahn die 130-Kilometer-Strecke in Abschnitte einteile, diese sperre und saniere oder ob sie die ganze Strecke in einem durch bearbeite, sei dem Zweckverband einerlei, sagt Engbarth: „Wir sind für das eine wie das andere offen und würden es auch akzeptieren, wenn nachts totalgesperrt wird.“

Wichtig sei nur, dass ein Gleis pro Richtung offen bleibe. Selbst, wenn die Arbeiten im Gesamten dann länger dauern: „Länger muss nicht zwingend viel länger heißen, kann aber bedeuten, dass ein Grundangebot fahren kann“, sagt Engbarth, der eine „zeitliche Ausdehnung“ der Arbeiten in jenen Streckenteilen vorschlägt, in denen der nächtliche Lärm keine so große Rolle spielt. An Werktagen sind laut Zweckverband allein zwischen Neustadt und Ludwigshafen rund 16.000 Fahrgäste unterwegs. Jene, die aus Speyer kommen und in Schifferstadt umsteigen, sind hier nicht mitgezählt.

Totalsperrung nur in den Sommerferien

Für Brückenarbeiten zwischen Kaiserslautern und Neustadt stimme der Verband der Totalsperrung zu – allerdings nur in den Sommerferien 2029 und an einzelnen Wochenenden. Für weitere Totalsperrungen sieht er, bis auf Ausnahmen, keine Veranlassung: „In den Abschnitten Homburg-Kaiserslautern sowie Neustadt-Ludwigshafen kann auch von der Seite her gearbeitet werden.“

Ob die Bahn auf die Vorstellungen aus der Pfalz eingeht oder die Generalsanierung wie geplant vonstatten geht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ein erster Gesprächstermin zwischen Bahn und Zweckverband ist angesetzt. Der Verband hat kein gutes Gefühl. Bei einem Termin im Saarland, das ebenfalls von der Großsperrung im Jahr 2029 betroffen ist, sei von der DB InfraGO „keinerlei Bewegung in unsere rheinland-pfälzische Sichtweise“ erkennbar gewesen.